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Einzelunternehmen gründen 2026: Gewerbe oder Freiberufler?

Gewerbe oder freier Beruf, Anmeldung, Fragebogen, USt-IdNr. und Kleinunternehmer: der komplette Weg zum eigenen Einzelunternehmen.

Einzelunternehmen gründen 2026: Gewerbe oder Freiberufler?

Ein Einzelunternehmen gründen kostet kein Startkapital und dauert oft nur wenige Tage. Entscheidend ist die erste Weiche: Als Gewerbetreibender meldest du dich beim Gewerbeamt an, als Freiberufler nur beim Finanzamt. In beiden Fällen folgt der Fragebogen zur steuerlichen Erfassung, spätestens einen Monat nach dem Start.

Was ist ein Einzelunternehmen?

Ein Einzelunternehmen gehört genau einer natürlichen Person. Es ist keine eigene juristische Person: Du selbst bist das Unternehmen, schließt die Verträge und trägst die Verantwortung.

MerkmalEinzelunternehmen
Inhabergenau eine Person (kommt ein zweiter dazu, entsteht meist eine GbR)
Startkapitalkeines vorgeschrieben
Haftungunbeschränkt, auch mit dem Privatvermögen
Handelsregisternur bei kaufmännischem Gewerbe Pflicht (dann „e. K.“)
Nameohne Registereintrag Vor- und Nachname, Zusatz zur Tätigkeit erlaubt
Gewinnermittlungmeist Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR)
Gewerbesteuernur für Gewerbetreibende, Freibetrag 24.500 € Gewinn

Wer die Haftung begrenzen will, schaut sich die Alternativen im Ratgeber UG oder GmbH an. Gründet ihr zu zweit, passt eher eine GbR. Den Vergleich aller Rechtsformen bietet der Rechtsform-Wizard.

Bist du Gewerbetreibender oder Freiberufler?

Das ist die wichtigste Frage bei der Gründung. Freiberufler sind nach § 18 EStG vor allem die Katalogberufe und ihnen ähnliche Berufe sowie wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende und erzieherische Tätigkeiten. Alle anderen selbstständigen, auf Gewinn gerichteten Tätigkeiten sind ein Gewerbe.

Tätigkeitmeist eingeordnet alsBegründung
Onlineshop, Amazon-HandelGewerbeHandel mit Waren
Webdesign mit fertigen WebsitesGewerbe oder freiberuflichhängt von Ausbildung und Schwerpunkt ab
Journalist, Übersetzerin, KünstlerfreiberuflichKatalogberuf bzw. künstlerische Tätigkeit
Coach, Dozentinoft freiberuflichunterrichtende Tätigkeit
UnternehmensberaterEinzelfallnur als „ähnlicher Beruf“ mit vergleichbarer Ausbildung
Handwerk, GastronomieGewerbeklassische Gewerbe

Zu den Katalogberufen gehören unter anderem:

  • Heilberufe wie Ärzte, Zahnärzte, Heilpraktiker und Physiotherapeuten,
  • rechts- und steuerberatende Berufe wie Rechtsanwälte, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer,
  • technische Berufe wie Architekten und Ingenieure,
  • publizistische Berufe wie Journalisten, Dolmetscher und Übersetzer.

Ein Gewerbe liegt dagegen vor, wenn deine Tätigkeit selbstständig, nachhaltig und mit Gewinnerzielungsabsicht ausgeübt wird und du dich am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr beteiligst, also deine Leistung öffentlich anbietest. Online-Handel, Handwerk, Gastronomie, Vermittlung und viele Beratungen fallen darunter.

Die endgültige Entscheidung trifft das Finanzamt. Wenn du unsicher bist, hilft der Gewerbe-Check. Für absolute Sicherheit kannst du eine gebührenpflichtige verbindliche Auskunft beantragen.

Die Einordnung hat drei spürbare Folgen: Gewerbetreibende zahlen ab 24.500 Euro Gewinn Gewerbesteuer (die über § 35 EStG teilweise auf die Einkommensteuer angerechnet wird), sind Pflichtmitglied in IHK oder Handwerkskammer und melden sich beim Gewerbeamt an. Freiberufler zahlen keine Gewerbesteuer.

Den kompletten Weg mit allen Fristen bildet GründerX Gründung komplett ab.

Was kostet die Gewerbesteuer wirklich?

Für viele Einzelunternehmer fällt die Gewerbesteuer am Ende kaum ins Gewicht. Der Grund ist die Anrechnung auf die Einkommensteuer. Ein Rechenbeispiel mit 40.000 Euro Gewinn und einem Hebesatz von 400 Prozent:

SchrittRechnungErgebnis
Gewinn40.000 €
minus Freibetrag (§ 11 GewStG)40.000 € − 24.500 €15.500 €
Steuermessbetrag (3,5 %)15.500 € × 3,5 %542,50 €
Gewerbesteuer (Hebesatz 400 %)542,50 € × 42.170 €
Ermäßigung der Einkommensteuer (§ 35 EStG)4 × 542,50 €, höchstens gezahlte Gewerbesteuer− 2.170 €

Bei einem Hebesatz um 400 Prozent wird die Gewerbesteuer in diesem Beispiel also weitgehend über die Einkommensteuer ausgeglichen, sofern genug Einkommensteuer anfällt. In Gemeinden mit höherem Hebesatz bleibt ein Rest. Den Hebesatz deiner Gemeinde erfährst du beim Steueramt.

Wie meldest du ein Gewerbe oder Kleingewerbe an?

Wer ein Gewerbe beginnt, muss das nach § 14 der Gewerbeordnung der Gemeinde anzeigen. Das gilt genauso für ein Kleingewerbe: Der Begriff meint nur, dass dein Betrieb keinen kaufmännisch eingerichteten Geschäftsbetrieb braucht. Du musst dann nicht ins Handelsregister, keine doppelte Buchführung machen und kannst deinen Gewinn per EÜR ermitteln. Die Anmeldung selbst ist dieselbe.

So läuft die Gewerbeanmeldung ab:

  1. Formular ausfüllen: online im Portal deiner Stadt oder vor Ort beim Gewerbeamt. Beschreibe deine Tätigkeit konkret, zum Beispiel „Onlinehandel mit Haushaltswaren“.
  2. Gebühr zahlen: Die Höhe legt jede Gemeinde selbst fest.
  3. Automatische Weitermeldung: Das Gewerbeamt informiert Finanzamt, IHK oder Handwerkskammer und Berufsgenossenschaft.
  4. Fragebogen ans Finanzamt: Danach füllst du den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung aus (siehe unten).

Nach der Anmeldung meldet sich in den folgenden Wochen meist die IHK oder Handwerkskammer mit der Mitgliedschaft, die Berufsgenossenschaft wegen der Unfallversicherung und das Finanzamt mit Fragen. Heb diese Schreiben auf, sie gehören zu deinen Gründungsunterlagen.

Schneller geht es mit dem Gewerbeanmeldung-Wizard, der die Angaben vorbereitet.

Wie meldest du dich als Freiberufler an?

Freiberufler brauchen keine Gewerbeanmeldung. Nach § 138 Abs. 1 AO teilst du die Aufnahme der Tätigkeit dem zuständigen Finanzamt mit. In der Praxis geschieht das über den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung in ELSTER. Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung bietet der Leitfaden Freiberufler anmelden.

Fragebogen zur steuerlichen Erfassung: Frist und Inhalt

Für Gewerbetreibende und Freiberufler gilt dieselbe Frist: Die Mitteilungen ans Finanzamt sind nach § 138 Abs. 4 AO innerhalb eines Monats nach dem Start zu erstatten. Die Angaben übermittelst du elektronisch über ELSTER.

Im Fragebogen schätzt du deinen Umsatz und Gewinn für das erste und zweite Jahr, wählst die Gewinnermittlungsart und entscheidest über die Kleinunternehmerregelung. Diese Schätzungen bestimmen deine Steuervorauszahlungen. Wer hier zu optimistisch schätzt, zahlt im ersten Jahr unnötig viel vorab. Hilfe beim Ausfüllen gibt der Fragebogen-Assistent und die Anleitung ELSTER-Fragebogen ausfüllen.

Wie beantragst du eine USt-IdNr.?

Die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer brauchst du, wenn du Waren oder Leistungen mit Unternehmen in anderen EU-Ländern austauschst, etwa beim Einkauf im EU-Ausland oder beim Verkauf über Marktplätze. Laut Bundeszentralamt für Steuern gibt es zwei Wege:

  • Bei der Gründung: Im Fragebogen zur steuerlichen Erfassung das entsprechende Feld ankreuzen. Das Finanzamt leitet den Antrag an das BZSt weiter.
  • Später: Mit deiner Steuernummer über das Online-Formular des BZSt beantragen.

Die Nummer wird dir nur per Post mitgeteilt, nicht per E-Mail oder Telefon. Plane deshalb einige Tage ein, bevor du sie zum Beispiel bei Amazon hinterlegen kannst. Verkaufst du an Privatkunden in anderen EU-Ländern, kommt zusätzlich das Verfahren aus dem Ratgeber OSS-Anmeldung infrage.

Kleinunternehmer oder nicht?

Als Kleinunternehmer weist du auf deinen Rechnungen keine Umsatzsteuer aus. Das geht nach § 19 UStG, wenn dein Umsatz im Vorjahr höchstens 25.000 Euro betrug und im laufenden Jahr 100.000 Euro nicht übersteigt. Für das Gründungsjahr gelten eigene Regeln, die der Ratgeber unten erklärt. Vorteil: weniger Bürokratie und günstigere Preise für Privatkunden. Nachteil: kein Vorsteuerabzug aus Einkäufen. Alle Details stehen im Ratgeber Kleinunternehmer 2026, eine passende Rechnungsvorlage für Kleinunternehmer gibt es kostenlos.

Welche Versicherungen und Pflichten kommen dazu?

Mit der Gründung ändern sich auch deine Pflichten bei der sozialen Absicherung:

  • Krankenversicherung: Sie ist für alle Pflicht. Als Selbstständiger bist du entweder freiwillig gesetzlich oder privat versichert. Den Beitrag zahlst du allein, ohne Arbeitgeberanteil.
  • Rentenversicherung: Grundsätzlich freiwillig. Für einige Gruppen besteht nach § 2 SGB VI aber Versicherungspflicht, etwa für selbstständige Lehrer und Dozenten, Pflegepersonen, eingetragene Handwerker und Selbstständige, die im Wesentlichen nur für einen Auftraggeber arbeiten.
  • Berufsgenossenschaft: Gewerbetreibende werden ihr gemeldet. Ob du selbst versichert sein musst, hängt von der Branche ab.
  • Betriebshaftpflicht: Gesetzlich meist nicht vorgeschrieben, aber wichtig, weil du unbeschränkt haftest.

Was du konkret brauchst, prüfst du mit dem Versicherungs-Basis-Check. Hintergründe stehen im Ratgeber Versicherungen für Selbstständige.

Typische Fehler bei der Gründung eines Einzelunternehmens

Diese Fehler sehen Gründungsberater am häufigsten:

  • Fragebogen zu spät abgeben: Die Monatsfrist läuft ab dem Start, nicht ab der Post vom Finanzamt.
  • Zu hohe Umsatzschätzung: Sie führt zu hohen Vorauszahlungen und kann die Kleinunternehmerregelung kosten.
  • Tätigkeit zu vage beschreiben: Eine unklare Beschreibung kann zu Rückfragen oder einer falschen Einordnung führen.
  • Freiberuflichkeit einfach annehmen: Ob eine Tätigkeit freiberuflich ist, entscheidet das Finanzamt, nicht dein Wunsch.
  • Scheinselbstständigkeit übersehen: Wer nur für einen Auftraggeber arbeitet, sollte das Risiko prüfen, etwa mit dem Scheinselbstständigkeits-Check.
  • Kein eigenes Konto: Gesetzlich nicht nötig, aber die Buchhaltung wird viel einfacher. Mehr dazu im Ratgeber Geschäftskonto für Gründer.

Häufige Fragen

Kann ich gleichzeitig Freiberufler und Gewerbetreibender sein?

Ja. Dann trennst du beide Tätigkeiten buchhalterisch, praktisch wie zwei Betriebe in einer Person. Die freiberuflichen Einkünfte bleiben gewerbesteuerfrei.

Was kostet die Gründung eines Einzelunternehmens?

Freiberufler melden sich kostenlos beim Finanzamt. Für die Gewerbeanmeldung verlangt die Gemeinde eine Gebühr, deren Höhe sie selbst festlegt. Weitere Kosten entstehen für Konto, Software und gegebenenfalls Beratung.

Muss ich ein Kleingewerbe extra anmelden?

Es gibt keine eigene Anmeldung für ein Kleingewerbe. Du meldest ein normales Gewerbe an. „Klein“ bedeutet nur, dass du kein Kaufmann im Sinne des Handelsgesetzbuchs bist und dich nicht ins Handelsregister eintragen musst.

Wann muss ich ins Handelsregister?

Wenn dein Gewerbe nach Art und Umfang einen kaufmännisch eingerichteten Geschäftsbetrieb erfordert, bist du nach § 1 HGB Kaufmann und musst dich eintragen lassen. Eine feste Umsatzgrenze gibt es dafür nicht. Gewertet werden etwa Umsatz, Zahl der Mitarbeiter, Zahl der Geschäftsvorfälle und Komplexität. Freiberufler betrifft das nicht.

Kann ich ein Einzelunternehmen nebenberuflich gründen?

Ja. Die Anmeldung ist dieselbe wie im Vollerwerb. Prüfe vorher deinen Arbeitsvertrag: Viele Verträge verlangen, dass du eine Nebentätigkeit anzeigst oder genehmigen lässt. Konkurrenz zum Arbeitgeber ist in der Regel tabu.

Brauche ich sofort eine USt-IdNr.?

Nur, wenn du mit Unternehmen in anderen EU-Ländern handelst oder ein Marktplatz sie verlangt. Am einfachsten kreuzt du sie gleich im Fragebogen zur steuerlichen Erfassung an.

Fazit

Ein Einzelunternehmen ist der schnellste Weg in die Selbstständigkeit. Kläre zuerst Gewerbe oder freien Beruf, melde dich richtig an und halte die Monatsfrist für den Fragebogen ein. Fristen behältst du im Steuerkalender im Blick, Rechnungen schreibst du mit dem Rechnungs-Generator.

Allgemeine Information, keine Steuer- oder Rechtsberatung im Einzelfall.

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  1. 1Geschäftsidee + Tätigkeit definieren
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  4. 4Familiengericht-Antrag (NUR wenn U18)
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  7. 7Steuerliche Erfassung (ELSTER FsE)
  8. 8Kleinunternehmer-Regel (§19 UStG)?
  9. 9Geschäftskonto (empfohlen)
  10. 10Buchhaltung-Setup
  11. 11IHK-Mitgliedschaft (automatisch)

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Erstellt von der GründerX-Redaktion mit KI-Unterstützung (Felix von GründerX), Stand 25. Oktober 2026. Verantwortlich für den Inhalt: Sonni Buttke, Gründer von GründerX. Keine Steuer- oder Rechtsberatung – im Einzelfall Steuerberater fragen.