Alle Ratgeber-Artikel
steuern 8 Min Lesezeit· aktualisiert am

Brutto Netto selbständig 2026: Was vom Gewinn übrig bleibt

Vom Umsatz zum Netto: Sozialbeiträge, Einkommensteuer nach Tarif 2026, Gewerbesteuer und Rücklagen mit drei Rechenbeispielen.

Brutto Netto selbständig 2026: Was vom Gewinn übrig bleibt

Brutto Netto als Selbständiger (auch „selbstständig“ geschrieben) rechnest du in drei Schritten: Vom Umsatz ohne Umsatzsteuer ziehst du die Betriebsausgaben ab und erhältst den Gewinn. Davon gehen Kranken- und Pflegeversicherung ab, auf den Rest zahlst du Einkommensteuer. Bei 55.000 Euro Gewinn bleiben 2026 rund 35.300 Euro netto, ohne Altersvorsorge.

Wie viel bleibt brutto netto als Selbständiger?

Netto bleiben je nach Gewinn grob 60 bis 70 Prozent des Gewinns vor Altersvorsorge, wie die Beispiele unten zeigen.

Anders als Angestellte haben Selbstständige keinen Arbeitgeber, der die Hälfte der Sozialabgaben trägt und Lohnsteuer abführt. Du zahlst alles selbst, und zwar aus deinem Gewinn. Das Schema sieht so aus:

SchrittWas passiertWichtig
1. Umsatzalle Einnahmen ohne Umsatzsteuerdie Umsatzsteuer gehört dem Finanzamt
2. minus BetriebsausgabenMiete, Software, Waren, Fahrtkostenergibt den Gewinn
3. minus Kranken- und Pflegeversicherungvollständig selbst zu zahlenals Vorsorgeaufwand von der Steuer absetzbar
4. minus Einkommensteuernach dem Tarif in § 32a EStGgegebenenfalls Soli und Kirchensteuer
5. minus Gewerbesteuernur bei Gewerbe, ab 24.500 € Gewinnwird großteils auf die Einkommensteuer angerechnet
6. minus Altersvorsorgemeist freiwilligwichtig, aber in dieser Rechnung nicht enthalten

Was am Ende pro Monat übrig bleibt, rechnest du individuell mit dem Brutto-Netto-Rechner für Selbstständige aus. Den Weg vom Gewerbeschein bis zur ersten Voranmeldung mit allen Fristen zeigt GründerX Gründung komplett.

Warum zählt die Umsatzsteuer nicht zu deinem Umsatz?

Weil sie nur durchläuft: Sie gehört dem Finanzamt, nicht dir.

Wenn du nicht Kleinunternehmer bist, schlägst du auf deine Rechnungen 19 Prozent oder 7 Prozent Umsatzsteuer auf. Dieses Geld behältst du nicht: Du ziehst die Vorsteuer aus deinen Einkäufen ab und überweist den Rest mit der Umsatzsteuer-Voranmeldung ans Finanzamt. Bei 80.000 Euro Nettoumsatz und 19 Prozent kommen 15.200 Euro Umsatzsteuer auf dein Konto, die du weiterleitest. Wer sie als Einnahme verplant, gerät spätestens bei der Voranmeldung in Not. Wie viel Umsatzsteuer in einem Betrag steckt, zeigt der Umsatzsteuer-Rechner. Ob du die Umsatzsteuer weglassen darfst, klärt der Ratgeber Kleinunternehmer 2026.

Wie hoch sind Kranken- und Pflegeversicherung 2026?

Als Selbstständiger in der gesetzlichen Krankenversicherung zahlst du den vollen Beitrag allein. Die Rechengrößen für 2026 laut GKV-Spitzenverband und Bundesgesundheitsministerium:

Wert 2026Höhe
allgemeiner Beitragssatz (mit Krankengeld)14,6 %
ermäßigter Beitragssatz (ohne Krankengeld)14,0 %
durchschnittlicher Zusatzbeitrag2,9 % (deine Kasse kann abweichen)
Pflegeversicherung3,6 %, für Kinderlose 0,6 Punkte mehr
Beitragsbemessungsgrenze69.750 € im Jahr (5.812,50 € im Monat)
Mindestbemessungsgrundlage1.318,33 € im Monat

Grundlage ist dein Gewinn laut Steuerbescheid. Verdienst du weniger als die Mindestbemessungsgrundlage, zahlst du trotzdem den Mindestbeitrag. Verdienst du mehr als die Beitragsbemessungsgrenze, steigt der Beitrag nicht weiter. Für den Wechsel in die private Krankenversicherung hilft der KV-Optimizer.

Wie hoch ist die Einkommensteuer 2026?

Die Einkommensteuer berechnet sich nach § 32a EStG in Zonen. Für 2026 gilt für Alleinstehende:

zu versteuerndes EinkommenSteuer
bis 12.348 €0 € (Grundfreibetrag)
12.349 € bis 17.799 €Eingangszone, Grenzsteuersatz steigt ab 14 %
17.800 € bis 69.878 €Progressionszone bis 42 % Grenzsteuersatz
69.879 € bis 277.825 €42 % auf jeden weiteren Euro
ab 277.826 €45 % auf jeden weiteren Euro

Der Grenzsteuersatz gilt nur für den nächsten Euro, nicht für dein ganzes Einkommen. Dein Durchschnittssteuersatz liegt deshalb deutlich darunter. Der Solidaritätszuschlag fällt für die meisten Selbstständigen nicht mehr an, weil er erst oberhalb einer hohen Freigrenze greift.

Beispielrechnung: Von 80.000 Euro Umsatz zum Netto

Annahmen: Freiberufler ohne Gewerbesteuer, alleinstehend, ein Kind, keine Kirchensteuer, freiwillig gesetzlich versichert mit ermäßigtem Satz (ohne Krankengeld) und durchschnittlichem Zusatzbeitrag. Die Rechnung nutzt den Tarif 2026.

PositionBetrag
Umsatz (netto, ohne Umsatzsteuer)80.000 €
− Betriebsausgaben25.000 €
= Gewinn55.000 €
− Krankenversicherung (14,0 % + 2,9 %)9.295 €
− Pflegeversicherung (3,6 %)1.980 €
= zu versteuerndes Einkommen (Beiträge voll abgezogen, weitere Abzüge vereinfacht weggelassen)43.725 €
− Einkommensteuer nach § 32a EStG8.412 €
= Netto vor Altersvorsorge35.313 € (rund 2.943 € im Monat)

Gerechnet mit denselben Annahmen sieht der Vergleich so aus:

GewinnKranken- und PflegeversicherungEinkommensteuerNetto vor VorsorgeAnteil vom Gewinn
30.000 €6.150 €2.548 €21.302 €71 %
55.000 €11.275 €8.412 €35.313 €64 %
80.000 €14.299 €16.488 €49.213 €62 %

Bei 80.000 Euro Gewinn greift die Beitragsbemessungsgrenze: Die Sozialbeiträge steigen nicht mehr mit, die Steuer schon.

Welche Rolle spielt die Gewerbesteuer?

Gewerbetreibende zahlen zusätzlich Gewerbesteuer, aber erst auf den Gewinn über 24.500 Euro. Über § 35 EStG wird die Einkommensteuer um das Vierfache des Gewerbesteuer-Messbetrags gemindert, höchstens um die tatsächlich gezahlte Gewerbesteuer. Bei einem Hebesatz um 400 Prozent gleicht sich das weitgehend aus. In Städten mit höherem Hebesatz bleibt ein Rest. Ein Rechenbeispiel steht im Ratgeber Einzelunternehmen gründen.

Ein Rechenbeispiel für einen Gewerbetreibenden mit denselben 55.000 Euro Gewinn und einem Hebesatz von 450 Prozent:

SchrittBetrag
Gewerbeertrag nach Freibetrag (abgerundet auf volle 100 €)30.500 €
Steuermessbetrag (3,5 %)1.067,50 €
Gewerbesteuer (450 %)4.803,75 €
Ermäßigung der Einkommensteuer (4 × Messbetrag)− 4.270 €
Mehrbelastung gegenüber dem Freiberuflerrund 534 €

Die Gewerbesteuer selbst darfst du nach § 4 Abs. 5b EStG nicht als Betriebsausgabe abziehen. Die Ermäßigung funktioniert außerdem nur, wenn genug Einkommensteuer anfällt.

Welchen Gewinn brauchst du für dein Wunsch-Netto?

Viele Gründer denken vom Ziel her: Wie viel muss ich verdienen, damit monatlich 3.000 Euro übrig bleiben? Mit denselben Annahmen wie oben (Freiberufler, alleinstehend, ein Kind, gesetzlich versichert ohne Krankengeld) brauchst du dafür 2026 einen Gewinn von rund 56.300 Euro im Jahr. Das sind gut 4.690 Euro Gewinn im Monat, also rund 56 Prozent mehr als dein Wunsch-Netto, noch ohne Altersvorsorge.

Rechne von dort weiter zum Umsatz: Addiere deine Betriebsausgaben und teile durch die Stunden, die du wirklich abrechnen kannst. Urlaub, Krankheit, Akquise und Verwaltung kosten Zeit, die dir niemand bezahlt. Wer 1.200 abrechenbare Stunden im Jahr plant und 15.000 Euro Ausgaben hat, braucht für 56.300 Euro Gewinn einen Stundensatz von rund 59 Euro netto, also ohne Umsatzsteuer.

Wie viel solltest du für Steuern zurücklegen?

Die Einkommensteuer zahlst du über Vorauszahlungen, die das Finanzamt nach deiner Schätzung im Fragebogen oder nach dem letzten Bescheid festsetzt. Im ersten Jahr fehlen sie oft, und die Nachzahlung kommt erst mit dem Bescheid. So legst du sinnvoll zurück:

  1. Umsatzsteuer sofort trennen: Sie geht vollständig aufs Rücklagenkonto, bis zur Voranmeldung.
  2. Einkommensteuer-Rücklage: Nimm deinen erwarteten Gewinn, rechne die Steuer wie oben und lege monatlich ein Zwölftel davon zurück. Eine erste Schätzung liefert die Quartals-Schätzung.
  3. Krankenversicherung einplanen: Der Beitrag richtet sich nach dem Einkommen laut Steuerbescheid. Steigt dein Gewinn, kann die Kasse nachfordern.
  4. Termine eintragen: Vorauszahlungen sind jeweils am 10. März, Juni, September und Dezember fällig. Alle Termine stehen im Steuerkalender.

Typische Fehler bei der Netto-Planung

Diese Fehler machen Gründer bei der Rechnung am häufigsten:

  • Umsatz mit Gewinn verwechseln: Die Ausgaben fehlen, der Stundensatz ist zu niedrig. Einen realistischen Satz rechnet der Stundensatz-Rechner aus.
  • Umsatzsteuer verplanen: Die eingenommene Umsatzsteuer gehört dem Finanzamt.
  • Nachzahlungen vergessen: Im ersten Jahr gibt es oft keine Vorauszahlungen, die Steuer kommt gesammelt mit dem Bescheid.
  • Grenzsteuersatz für den Durchschnitt halten: 42 Prozent gelten nur für den Teil über 69.878 Euro.
  • Altersvorsorge ignorieren: Ohne Pflichtversicherung baust du keine gesetzliche Rente auf. Plane einen festen Betrag ein, etwa mit dem Vorsorge-Rechner.

Häufige Fragen

Wie viel Prozent vom Gewinn bleiben als Selbstständiger?

In den Beispielen oben bleiben 2026 zwischen 62 und 71 Prozent des Gewinns nach Kranken-, Pflegeversicherung und Einkommensteuer, also vor Altersvorsorge. Der genaue Wert hängt von Familienstand, Kirchensteuer, Krankenkasse und weiteren Abzügen ab.

Ist die Krankenversicherung steuerlich absetzbar?

Ja. Beiträge zur Basis-Kranken- und Pflegeversicherung sind als Sonderausgaben abziehbar. Beim Tarif mit Krankengeld wird der darauf entfallende Anteil gekürzt.

Was ist besser: gesetzlich oder privat versichert?

Das hängt von Alter, Gesundheit, Familie und Einkommen ab. In der gesetzlichen Kasse steigt der Beitrag mit dem Gewinn bis zur Beitragsbemessungsgrenze, Kinder und Ehepartner ohne eigenes Einkommen sind oft kostenlos mitversichert. Die private Versicherung rechnet nach Alter und Gesundheitszustand, jede Person zahlt einzeln. Ein Wechsel zurück in die gesetzliche Kasse ist später oft schwierig. Lass dich vor dem Wechsel unabhängig beraten.

Wie viel muss ich vom Umsatz zurücklegen?

Eine feste Quote gibt es nicht. Rechne die Umsatzsteuer komplett heraus und lege für Einkommensteuer und Krankenversicherung den Anteil zurück, den deine eigene Rechnung ergibt. In den Beispielen oben sind das 29 bis 38 Prozent des Gewinns.

Zahle ich als Selbstständiger Solidaritätszuschlag?

Meist nicht. Der Soli greift nur oberhalb einer hohen Freigrenze bei der Einkommensteuer. Bei 55.000 Euro Gewinn wie im Beispiel fällt keiner an.

Was ist der Mindestbeitrag zur Krankenversicherung 2026?

Er richtet sich nach der Mindestbemessungsgrundlage von 1.318,33 Euro im Monat. Mit durchschnittlichem Zusatzbeitrag und Pflegeversicherung ergibt sich ein Monatsbeitrag von gut 270 Euro, je nach Kasse und Kinderstatus etwas mehr oder weniger.

Fazit

Vom Gewinn bleiben als Selbstständiger meist zwei Drittel, vom Umsatz deutlich weniger. Wer Umsatzsteuer, Sozialbeiträge und Einkommensteuer von Anfang an trennt, vermeidet die gefürchtete Nachzahlung im zweiten Jahr. Hintergründe zur Absicherung stehen im Ratgeber Versicherungen für Selbstständige.

Allgemeine Information, keine Steuer- oder Rechtsberatung im Einzelfall.

Steuern im Griff mit GründerX

Rücklagen, Vorauszahlungen und Voranmeldungen haben feste Termine. GründerX führt dich mit Fahrplan, Fristen und Co-Pilot Felix durch alle Schritte: Preise und Leistungen ansehen.

#Steuern#Buchhaltung#Selbstständigkeit#Einzelunternehmen

Steuerfristen & Neuigkeiten für Gründer

Kurze Mail, bevor eine Frist abläuft oder sich für Gründer etwas ändert – höchstens zwei pro Woche, meist seltener.

Erstellt von der GründerX-Redaktion mit KI-Unterstützung (Felix von GründerX), Stand 25. Oktober 2026. Verantwortlich für den Inhalt: Sonni Buttke, Gründer von GründerX. Keine Steuer- oder Rechtsberatung – im Einzelfall Steuerberater fragen.